Die meisten Nahtprobleme werden unbedacht auf die Nadel, den Faden oder das Gewebe geschoben. Doch meist liegt die Ursache darin, wie der Nadelhalter gehalten und die Nadel eingespannt wird. Griff- und Klemmgewohnheiten entstehen früh, werden dann zu spät korrigiert. Auch wenn sie sich zunächst bequem und richtig anfühlen, kosten sie dennoch bei jedem Stich Präzision.
Die fünf folgenden Fehler im Umgang mit dem Nadelhalter sieht man am häufigsten auf Übungspads, in Skills Labs und natürlich im OP. Jeder dieser Fehler lässt sich leicht abstellen. Zunächst ist es wichtig für angehende Chirurg:innen, die eigenen Handhabungsfehler überhaupt zu bemerken und dann bewusst die korrekte Technik einzustudieren, bis sich diese natürlich und richtig anfühlt.
1. Die Finger tief in den Ringen vergraben
Daumen und Ringfinger ganz durch die Ringe zu schieben fühlt sich zunächst richtig an. Allerdings kann so der Nadelhalter nicht so präzise gesteuert werden und zudem reduziert diese Haltung die Beweglichkeit, da der Nadelhalter weniger dynamisch und variabel aus der Hand bewegt werden kann. Sitzen die Finger tief in den Ringen, kann das Handgelenk nicht mehr frei supinieren; die Rotation, welche die Nadel durch das Gewebe führen sollte, kommt verstärkt aus dem Unterarm und der Schulter. Die Bewegung wird ungenauer, und auf engem Raum lässt sich der Nadelhalter schlecht manövrieren.
Besser so: Nur die Kuppen von Daumen und Ringfinger liegen in den Ringen; gerade weit genug (etwa einen Zentimeter), um die Ratsche zu kontrollieren. Der Zeigefinger ruht auf dem Schaft des Nadelhalters. Der Zeigefinger führt, das Handgelenk rotiert, und das Instrument folgt der Krümmung der Nadel, statt gegen sie zu arbeiten.
2. Die Nadel an der falschen Stelle einspannen
Wo die Nadel im Maul sitzt, entscheidet, wie viel deiner Kraft im Gewebe ankommt. Zu nah am Fadenansatz geklemmt, hebelt die Nadel unter Last aus dem Maul und verdreht sich dabei. Zu nah an der Spitze geklemmt, verlierst du die Stichtiefe, auf die du hinauswolltest.
Besser so: Zwischen der Hälfte und zwei Dritteln (von der Spitze aus gemessen) einspannen und die Nadel etwa im 90-Grad-Winkel zum Maul halten. So gefasst rotiert die Nadel mit dem Instrument wie aus einem Stück, und die Krümmung macht die Arbeit.
3. Bis zur letzten Raste schließen
Die Ratsche hat mehr Stufen, als die meisten Nadeln brauchen. Bis zum letzten Klick zu drücken bringt weit mehr Kraft auf, als nötig ist, um eine Nadel ruhig zu halten. Feine Nadeln verformen sich darunter, und das Lösen wird langsam und ruckartig — beides führt zu mehr Gewebetrauma und schlechterem Nähen.
Besser so: Die erste (oder zweite) Raste genügt. Dreht sich die Nadel bei dieser Einstellung noch im Maul, sollte die Antwort nicht mehr Kraft sein.
4. Halter und Nadel nicht aufeinander abstimmen
Instrument und Nahtmaterial sind ein Paar. Ein schwerer Halter zerdrückt und verformt eine feine Nadel. Ein feiner Nadelhalter kann eine zu große Nadel nicht ruhig halten. Dadurch kippelt die Nadel und verdreht sich im Durchstich. Dies macht deine Nähte schlechter.
Besser so: Das Instrument nach dem Nahtmaterial wählen. Halte einen feinen Halter für kleine Fadenstärken bereit und einen schwereren für den Rest.
5. Mit dem Maul an die Nadelspitze fassen
Es ist verlockend, eine Nadel nahe der Spitze zu fassen, besonders beim Umgreifen mitten in der Naht. Doch das beschädigt die Nadelspitze sehr schnell. Eine stumpfe Spitze braucht spürbar mehr Kraft beim Durchstich, und Kraft am Einstichpunkt ist genau das, was Gewebe einreißt, einen ausgefransten Stichkanal hinterlässt und die Naht ungenau macht.
Besser so: Metall bleibt ganz weg von der Spitze. Das Maul gehört an den Nadelkörper; für das Gewebe ist die Pinzette da. Falls du umgreifen musst, dann versuche, die Nadel am Nadelkörper neu zu fassen. Vermeide es, die Spitze mit der Pinzette oder dem Nadelhalter zu berühren.
Fünf Kontrollen für deinen nächsten Stich
Nichts davon verlangt neue Fertigkeiten. Es ist vielmehr eine Checkliste: Nur die Fingerkuppen in den Ringen des Nadelhalters. Nadel zwischen Hälfte und zwei Dritteln greifen, im rechten Winkel. Erste oder zweite Raste des Nadelhalters nutzen. Nadelhalter passend zur Nadel. Nichts aus Metall an der Spitze.
Übe diese Handhabung zuhause in Ruhe. Nach einigen Übungseinheiten fühlt sich diese Handhabung natürlich an. Der Unterschied zeigt sich in saubereren Einstichwinkeln, weniger Gewebetrauma, besserer Wundheilung und ästhetischeren Narben.
Zuhause zu üben ist der günstigste Ort, diese Gewohnheiten abzulegen. Dort kannst du in deinem eigenen Tempo üben, bis du die grundlegenden Handgriffe beherrschst. Unser Übungsboard für chirurgisches Nähen bietet dir Pad und Stationen, um alle fünf Kontrollen durchzuarbeiten — mit deinem eigenen Nadelhalter und Nahtmaterial, damit die Gewohnheiten, die du aufbaust, die deiner Hände bleiben.